Stille

Der Weg nach innen

Stille ist nicht einfach da, wenn einer sie sucht . denn sie entsteht nicht von selbst, wo das äußere Leben zurücktritt, wo die Hast der Arbeit sich entfernt oder der Strassenverkehr verstummt. Das einsame Zimmer am Ferienort ist noch kein Ort der Stille, so wenig wie der abgelegene Raum des Kranken. Denn wo die äußere Welt schweigt, setzen die inneren Stimmen ein, beginnt das Herz zu reden, zu schreien, zu fragen oder sich selbst Antworten zuzulärmen, sthen die Erinnerungen auf, kommen die Gespräche wieder, die abgebrochenen, und schließen sich die Selbstgespräche an, die anklagenden und verteidigenden, die beweisen sollen, dass das Leben ungerecht und die Menschen undankbar seien, der Redende selbst aber ohne Schuld.
Eine Stille, der auf die Dauer unsere Liebe gehören kann, schließt immer ein, das mehr ist als wir selbst: ein Gespräch mit einem Du. Sie bringt ein Wort oder ein Zeichen aus einer anderen Welt.
Ein Zeichen, an dem abzulesen oder abzutasten ist, was der Sinn all der Bedrängnis ist, deren wir uns zu erwehren haben. Was das alles soll. Wo es hinaus will.
Stille entsteht in der Stunde, in der eine quälende Frage ihre gute und klare Antwort gefunden hat. Sie tritt ein, wo uns statt eines ängstigenden Bildes ein tröstliches vor der Seele steht.
Jörg Zink

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