Übung macht den Meister- das Selbst

Montag, 6. November 2006

Üben wird häufig gleichgesetzt mit Trainieren. Es ist aber wichtig, diese beiden Begriffe zu unterscheiden. Wenn man trainiert, hat man ein genau definiertes Ziel im Aige. beim Üben ist es anders. Man macht wiederholt und discipliniert bestimmte Übungsabläufe, zum Beispiel Körperübungen, regelmäßiges Laufen usw. Dabei geht es darum, zu entdecken, was sich dabei tut. Man nimmt wahr, schaut hin, horcht hin. Das Wahrgenommene läßt man gelten. Während beim Trainieren etwas bestimmtes erreicht werden soll, wird beim Üben das, was entsteht, gelten gelassen. Dem, was beim Üben entsteht, ist nichts hinzuzufügen, man muss auch nichts davon wegbringen.
Üben heißt nicht etwas nachzulaufen, sondern gelten zu lassen und wertzuschätzen, was da ist. Sehr vieles von dem, was da ist, übersehen wir, weil wir nicht da sind. Üben heißt da sein, präsent sein, im Hier und jetzt ankommen. Immer weider laufen Menschen Dingen nach, die längst da sind. Üben heißt sehend werden, einen Perspektivenwechsel machen. Üben heißt annehmen, was da ist, und daran weiterbauen.
Beim Üben wird versucht alle Vorstellungen, die man in sich trägt und die die Poren der Wahrnehmung besetzen und trüben können, wegzulassen. Es wird versucht, mit `kindlicher´Sinnlichkeit und Unmitelbarkeit alles, die Welt, den eigenen Körper, sich selbst wahrzunehmen, es wird versucht sich mit ungetrübtem Vertrauen dem Sinnlichen hinzugeben (David Steindl-Rast). Die `ungetrübte´, `unmittelbare´Sinnlichkeit, in der wir als Kinder leben, geht notwendigerweise verloren. Es ist also erforderlich, sie als erwachsene wieder bewusst zu erwerben um sie bewusst leben zu können.
Wer sich in der Übung mit ungetrübtem vertrauen dem Sinnlichen hingibt, trifft dort auf ein gegenüber. Es kommt zu einer begegnung zwischen dem Übenden einerseits und dem gegenüber andererseits. Diese Begegnung ist es, die zu einer Wandlung des Übenden führt. In der Begegnung, im ZUsammenspiel zwischen Übendem und Gegenüber kommt man zu der Erfahrungm, `dass das ganz andere, das unseren Sinnen da begegnet, zugleich unser eigenes Selbst ist.`(D.Steindl-Rast) Es gibt zwischen einem Selbst und dem gegenüber keine Trennung mehr. Aus dieser Erfahrung, dass die trennung - nicht die Unterscheidung-aufgehoben ist, kehrt der/die Übende verwandelt zurück." Hubert Feuerstein: Pilgern, ibera

Lebensmitte

Freitag, 3. November 2006

Tief in unserer Seele wollen wir alle in einer Geschichte leben, die größer ist als wir selbst. Wir wollen wissen, was wir hier zu tun haben und warum. Sören Kierkegaard schrieb in seinem Tagebuch: „ Es gilt, eine Wahrheit zu finden, die Wahrheit für mich sein kann, die Idee zu finden, für die ich leben und sterben will. (Leider /Shapiro: In der Mitte des Lebens

Unser sehnlichster Wunsch ist es, in der zweiten Lebenshälfte eine neue Chance zu bekommen. (ebda)

Wie kann ich am umfassensten und authentischten Anspruch auf meinen Platz am Feuer erheben. ? (ebda)

Die erste Vorraussetzung bei jeder Gesellschaft ist, dass ihre erwachsenen Mitglieder die Tatsache erkennen und repräsentieren sollten, dass sie es sind, die leben und Sein der Gesellschaft bestimmen....und das eben diese Gesellschaft sich auf sie verlassen muss, wenn sie überleben will. Campbell in Leider /Shapiro: In der Mitte des Lebens

Man muss vielmehr fähig sein, das Leben und die gelebte Erfahrung anderer durch selbst Erlebtes so zu berühren, dass über die Vergangenheit die Gegenwart lebendig wird. Leider /Shapiro: In der Mitte des Lebens