Freiheit 3.
Wer sich Selbst kennt, kennt seinen Herrn. (Ibn Arabi-Sufismus)
Liebe die anderen, wie dich Selbst. (Christlich)
Sei du Selbst und beobachte. (Buddhistisch)
Was also ist das richtige Verhältnis zu sich Selbst.
Was ist der Zweck der Sinnsuche, des ewigen Kreisens um sich Selbst.
Warum ist es so schwer sich die Freiheit zu nehmen, mehr `Zeit für sich Selbst ´zu nehmen.
Der Mensch kann ´in sich gehen´und er kann `aus sich herausgehen´. Er pendelt zischen der Annäherung an seine Mitte.
Jeder hat die Freiheit sich Selbst zu übergehen oder auf sich Selbst zuzugehen.
In der Mitte sein.
Es heißt: Wer einen Schritt auf Gott zu geht, dem kommt er zehn Schritte entgegen. Wenn Gott im Menschen wohnt, dann in der Mitte , da wo der Mensch ganz bei sich selbst ist. Wenn der Mensch also auf sich Selbst zugeht, in das brodelnde Zentrum der Unruhe, da wo der unbewegte Beweger wohnt. Dann trifft er dort auf etwas das ihn stärkt und nährt und in gerichtet aus dieser Mitte hinaus in die Welt schleudert, dorthin wo es etwas zu tun gibt.
Wenn er aber draußen feststeckt im Bündel seiner Automatismen und Gewohnheiten, versteckt in dem Sinn, den ihm die Institution gewährt, dann ist er außer sich. Dann wird der Mensch leer und hohl. Er braucht also die Entbindung aus den Automatismen des Funktionierens und er braucht die Entbindung aus sich Selbst um sich in der Welt und im Tun - in dem was er bezweckt - wieder neu zu begegnen. So sagt man auch der Zweck heiligt die Mittel.
" Durch die Entkoppelung von Antrieb (der Mench ist im Stande, seine Gefühle und Bedürfnisse bei sich zu behalten, dadurch werden aber seine Antriebskräfte gestaut) und Handlung entsteht `Intelligenz´, mehr nocht diese Entkoppelung ist Intelligenz und damit zugleich jener `Hiatus´, der das entstehen lässt, was man dann Innerlichkeit, Reflexivität, Imagination usw. nennt. Dieser `Hiatus´bringt es auch mit sich, dass der Mensch zu einem Doppelwesen wird, das eine wirkliche und eine mögliche Welt bewohnt und in die prekäre Situation gerät, beide irgendwie miteinander verbinden zu müssen. Oft genug mißlingt es ihm. Es kann eine immer subtilere Innenwelt ausbilden, die sich vom Zusammenhang mit Handlungen überhaupt löst. (folgenlose Phantasie, Süchte, fiktive Betätigungen, Rauschmittel, Asozialität,..) Safranski S. 108




