Gnadenerfahrung

Donnerstag, 17. Mai 2007

" die Gnade trifft uns, wenn wir in großer Not und Unruhe sind.Sie trifft uns, wenn wir durch das dunkle Tal eines sinnlosen und leeren Lebens wandern. Sie trifft uns, wenn wir unsere Entfremdung tiefer als gewöhnlich empfinden, weil wir ein anderes Leben verletzt haben. Sie trifft uns, wenn unser Ekel vor unserem Sein, unserer Gleichgültigkeit, unserer Schwäche, unserer Feindseligkeit, unserem Mangel an Richtungen und gelassenheit uns unerträglich geworden ist. Sie trifft uns, wenn Jahr um Jahr die ersehnte Vollendung unseres Lebens nicht zustande kommt, wenn uns vor Jahrzehnten alte Zwänge beherrschen, wenn die Verzweiflung alle Freude und allen Mut zerstört. Manchmal bricht in einem solchen Augenblick ein Lichtstrahl in unsere Dunkelheit, und es ist, als spräche eine Stimme: du bist angenommen, angenommen von dem, der größer ist als du und dessen Namen du nicht kennst. Fage jetzt nicht nach dem namen; vielleicht wirst du ihn später erfahren. Versuche jetzt nicht, iregnd etwas zu tiun; vielleicht wirst du später viel tun.Suche nichts; leiste ncihts; plane nichts. Nimm einfach die Tatsache an, daß du angenommen bist. (Tillich in : K. Asper verlassenheit und Selbstentfremdung)

Lebenserfahrung

Samstag, 12. Mai 2007

Wenn er kommt, der Besucher, der Neugierige und dich fragt, dann bekenn ihm,
dass du den Sinn deines Lebens
immer noch nicht herausgefunden hast,
obwohl du schon so alt bist.
Dass du geliebt hast, aber unzureichend.
Dass du gekämpft hast,
aber mit zaghaften Armen.
Dass du an vielen Orten zu Hause warst,
aber ein Heimatrecht hast an keinem.
Dass du dich nach dem Tode sehnst
und ihn fürchtest,
dass du kein Beispiel geben kannst
als diese: immer noch offen.

Marie Luise Kaschnitz

Übung macht den Meister- das Selbst

Montag, 6. November 2006

Üben wird häufig gleichgesetzt mit Trainieren. Es ist aber wichtig, diese beiden Begriffe zu unterscheiden. Wenn man trainiert, hat man ein genau definiertes Ziel im Aige. beim Üben ist es anders. Man macht wiederholt und discipliniert bestimmte Übungsabläufe, zum Beispiel Körperübungen, regelmäßiges Laufen usw. Dabei geht es darum, zu entdecken, was sich dabei tut. Man nimmt wahr, schaut hin, horcht hin. Das Wahrgenommene läßt man gelten. Während beim Trainieren etwas bestimmtes erreicht werden soll, wird beim Üben das, was entsteht, gelten gelassen. Dem, was beim Üben entsteht, ist nichts hinzuzufügen, man muss auch nichts davon wegbringen.
Üben heißt nicht etwas nachzulaufen, sondern gelten zu lassen und wertzuschätzen, was da ist. Sehr vieles von dem, was da ist, übersehen wir, weil wir nicht da sind. Üben heißt da sein, präsent sein, im Hier und jetzt ankommen. Immer weider laufen Menschen Dingen nach, die längst da sind. Üben heißt sehend werden, einen Perspektivenwechsel machen. Üben heißt annehmen, was da ist, und daran weiterbauen.
Beim Üben wird versucht alle Vorstellungen, die man in sich trägt und die die Poren der Wahrnehmung besetzen und trüben können, wegzulassen. Es wird versucht, mit `kindlicher´Sinnlichkeit und Unmitelbarkeit alles, die Welt, den eigenen Körper, sich selbst wahrzunehmen, es wird versucht sich mit ungetrübtem Vertrauen dem Sinnlichen hinzugeben (David Steindl-Rast). Die `ungetrübte´, `unmittelbare´Sinnlichkeit, in der wir als Kinder leben, geht notwendigerweise verloren. Es ist also erforderlich, sie als erwachsene wieder bewusst zu erwerben um sie bewusst leben zu können.
Wer sich in der Übung mit ungetrübtem vertrauen dem Sinnlichen hingibt, trifft dort auf ein gegenüber. Es kommt zu einer begegnung zwischen dem Übenden einerseits und dem gegenüber andererseits. Diese Begegnung ist es, die zu einer Wandlung des Übenden führt. In der Begegnung, im ZUsammenspiel zwischen Übendem und Gegenüber kommt man zu der Erfahrungm, `dass das ganz andere, das unseren Sinnen da begegnet, zugleich unser eigenes Selbst ist.`(D.Steindl-Rast) Es gibt zwischen einem Selbst und dem gegenüber keine Trennung mehr. Aus dieser Erfahrung, dass die trennung - nicht die Unterscheidung-aufgehoben ist, kehrt der/die Übende verwandelt zurück." Hubert Feuerstein: Pilgern, ibera

Lebensmitte

Freitag, 3. November 2006

Tief in unserer Seele wollen wir alle in einer Geschichte leben, die größer ist als wir selbst. Wir wollen wissen, was wir hier zu tun haben und warum. Sören Kierkegaard schrieb in seinem Tagebuch: „ Es gilt, eine Wahrheit zu finden, die Wahrheit für mich sein kann, die Idee zu finden, für die ich leben und sterben will. (Leider /Shapiro: In der Mitte des Lebens

Unser sehnlichster Wunsch ist es, in der zweiten Lebenshälfte eine neue Chance zu bekommen. (ebda)

Wie kann ich am umfassensten und authentischten Anspruch auf meinen Platz am Feuer erheben. ? (ebda)

Die erste Vorraussetzung bei jeder Gesellschaft ist, dass ihre erwachsenen Mitglieder die Tatsache erkennen und repräsentieren sollten, dass sie es sind, die leben und Sein der Gesellschaft bestimmen....und das eben diese Gesellschaft sich auf sie verlassen muss, wenn sie überleben will. Campbell in Leider /Shapiro: In der Mitte des Lebens

Man muss vielmehr fähig sein, das Leben und die gelebte Erfahrung anderer durch selbst Erlebtes so zu berühren, dass über die Vergangenheit die Gegenwart lebendig wird. Leider /Shapiro: In der Mitte des Lebens

All-eine Sein

Donnerstag, 7. September 2006

Ich bin einsam hier und in dieser Einsamkeit
schwebt der Schatten einer ewigen Ulme.

Wenn ihr mich sucht,
kommt weich und still
damit das zarte Porzellan meiner
Einsamkeit nicht zerbricht.

Sohrab Sephiri
`Eine Oase im Augenblick´

Sehnsucht

Donnerstag, 31. August 2006

Das ist mein Streit:
Sehnsuchtsgeweiht durch alle Tage schweifen.
dann, stark und breit, mit tausend Wurzelstreifen
tief in das Leben greifen -
und durch das Leid
weit aus dem Leben reifen,
weit aus der Zeit.

RILKE

Lebenskraft

Donnerstag, 17. August 2006

Wie haben sie dich , Baum, verschnitten, wie stehst du fremd und sonderbar ! Wie hast du hundertmal gelitten, bis nichts in dir als Trotz und Wille war ! ich bin wie du, mit dem verschnittnen, gequälten Leben brach ich nicht und tauche täglich aus durchlittnen Roheiten neu die Stirn ins Licht. Was in mir weich und zart gewesen, hat mir die Welt zu Tode gehühnt, doch unzerstörbar ist mein Wesen, ich bin zufrieden, bin versöhnt, geduldig neue Blätter treib ich aus Ästen hundertmal zerspellt, und allem Weh zum Trotze bleib ich verliebt in die verrückte Welt. H. Hesse `Bäume.