Sehnsucht

Donnerstag, 31. August 2006

Das ist mein Streit:
Sehnsuchtsgeweiht durch alle Tage schweifen.
dann, stark und breit, mit tausend Wurzelstreifen
tief in das Leben greifen -
und durch das Leid
weit aus dem Leben reifen,
weit aus der Zeit.

RILKE

Lebenskraft

Donnerstag, 17. August 2006

Wie haben sie dich , Baum, verschnitten, wie stehst du fremd und sonderbar ! Wie hast du hundertmal gelitten, bis nichts in dir als Trotz und Wille war ! ich bin wie du, mit dem verschnittnen, gequälten Leben brach ich nicht und tauche täglich aus durchlittnen Roheiten neu die Stirn ins Licht. Was in mir weich und zart gewesen, hat mir die Welt zu Tode gehühnt, doch unzerstörbar ist mein Wesen, ich bin zufrieden, bin versöhnt, geduldig neue Blätter treib ich aus Ästen hundertmal zerspellt, und allem Weh zum Trotze bleib ich verliebt in die verrückte Welt. H. Hesse `Bäume.

Lebenswandel

Sonntag, 6. August 2006

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu begeben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´und Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde !
H.Hesse

EIN Leben

Montag, 5. Dezember 2005

Ich wollte EIN Leben finden. Du wurdest mir gegeben um zu lernen,
dass wir nicht das Licht mit dem Schatten verwechseln auch wenn er farbig ist.
Gott ist schön und die Frau ist seine schönste Erscheinung.
Ich habe mich und mein Sehnen in dir erkannt.
Und dieses Gefäß deiner hingebungsvollen Liebe hat mir ermöglicht alle Lust und Liebe meines Lebens einzusammeln und einzuschmelzen in einen beständigen Strom der Begegnung, der eine Richtung hat.
Dein zur Seite treten hat aus der Sehnsucht den Schmerz des Getrenntseins werden lassen, der mich der Allverbundenheit spüren lässt, denn Unterscheidung ist vollzogener Zusammenhang.

Du bist zwischen mich und das Licht getreten und so hast du in mir deine Schatten gesehen und ich in dir meine Möglichkeiten im Kosten des Lichstrahls Gottes in dir, mit dir, aus dir und durch dich hindurch - die Liebe zwischen Mann und Frau als zwei in der Einheit. Nun da du mich nicht mehr schützt und leibst und heilst bin ich blind und leer, das Verloren und Verlassen, das abgestorben Sein im gleissenden Licht ermöglicht ein zartes Sein, das Aufkeimen des Selbst als das innerste Wesen mitten in mir und ich beginne zu vertrauen und dankbar zu sein, für das Bewusstsein der Getrenntheit und den Möglichkeiten in Verbindung zu gehen. Ich beginne das Schwere leicht zu nehmen und das Schwingen und Singen des Herzens zu spüren, wie das Zwitschern der Vögel im zarten Frühlingslicht.
Langsam ganz langsam und voller Ernst und in deiner unendlichen Langsamkeit beginn sich mein wahres Selbst zu regen ganz allein

Göttliche Präsenz

Montag, 5. Dezember 2005

Wir gehen immer verloren, wenn uns das Denken befällt
und werden wiedergeboren, wenn wir uns ahnend der Welt
anvertrauen und treiben - wie die Wolken
im hellen Wind
denn alle Grenzen, die bleiben, sind ferner als der Himmel sind.

Und es will vieles werden, aber wir greifen es kaum
wie lange sind wir der Erde ängstlich noch im Traum?

Fragwürdig noch wie lange, da alles sich schon besinnt
da das, was einstens so bange, schon klarer vorüberrinnt.

Dass uns ein Sanftes geschehe, wenn uns der Himmel berührt,
wenn seine atmende Nähe uns ganz zum Hiersein verführt.
(Gebser)

Sich Finden

Montag, 5. Dezember 2005

Sie haben lange zusammen gelacht
und lernten sich nahen und nennen
und als sie standen am Rande der Nacht, da konnten
sie sich nicht erkennen.

Wo bist du ?
Wo bist du ?
Und keines sprach.
Sie müssen im Walde wandern
und rasten und hasten und tasten nach
eines dem Weinen des Anderen. (Rilke)

Freude

Montag, 5. Dezember 2005

Da lächelt mein Herz
und neigt sich dem Leben
anmutig anspruchsvoll zu
schweigend dem Tanz des Seins ergeben
der Freude am spürbaren Du.