Arbeitslust

Donnerstag, 5. Mai 2005

Erschienen in der Welser Rundschau am 25.5.2005

ArbeitsLust ?

Ich wache auf , strecke mich und freue mich darauf nach dem gesunden Frühstück in die Arbeit zu kommen um nach der Vorbereitungseinheit, in der ich meine Tagesziele und Vorhaben plane und mich frage, was mir heute Lust macht zu tun. Ich arbeite eineinhalb Stunden selbstbestimmt um dann 20 min Pause zu machen im Firmenruheraum, bei meiner Lieblingsmusik. Dann beginne ich die zweite Arbeitseinheit.
Die Mittagspause von 2 Stunden verbringe ich nach einem kleinen Snack im Park nebenan mit einer Gruppe, die körperliche Belebungsübungen praktiziert, um die verbrauchten Kräfte zu regenerieren.
Dann folgen noch 2 eineinhalbstündige Arbeitseinheiten mit einer kurzen Pause zwischendurch.
Am Ende prüfe ich was ich erreicht habe in meinem Zielbuch und mache ein paar Notizen über das was an diesem Tag wesentlich war, sammle Lernerfahrungen und Ergebnisse.
Nach einem Übergangsritual von einer Stunde widme ich mich am Abend den Menschen die ich mag.
Warum ist das eigentlich so einfach mit der selbstbewussten Lebens- und Arbeitsgestaltung ?
Und trotzdem so schwierig anzugehen.
Es geht den meisten Menschen schlecht, die die Arbeit nicht nach ihrem Sinn, ihren Bedürfnissen und Werthaltungen einteilen können.
Verspannung entsteht , wenn man nicht an dem beteiligt ist, was man gerade tut.
Die innere Distanz zur Arbeit erleichtert vieles aber sie reduziert auch die Befriedigungsmöglichkeiten. Wir laufen samt und sonders Gefahr, immer mehr zum Zuschauer unserer Arbeitswelten zu werden. Der Körper arbeitet, der Geist geht im Gedankenpark von Gestern und Morgen spazieren.
Es ist immer mehr Gegensteuerung gefragt um Selbstbestimmt zu bleiben, d.h. neben dem Erledigen der vielen Routineaufgaben ist darauf zu achten und dafür zu sorgen, die einzelnen Aufgabe so zu gestalten, das sie mir auch Erfüllung bietet. Die Art und Weise WIE ich tue zählt.
Die Falle liegt darin, dass man für diesen Selbsterneuerungsprozess Zeit und Energie braucht. Jeder der zu lange durchdreht hat dazu keine Energie mehr. Damit riskiert er in der Arbeit zu versinken oder sie zu verlieren. Wenn das love it verloren geht, ist oft auch keine Energie mehr da für das change it, dann bleibt nur mehr das leave it. Manchmal ist es günstig etwas aufzugeben bevor man krank wird daran oder ein mutiges time-out zu wagen, einen Urlaub , ein Seminar – am Besten eines in dem man lernt, sich hier & jetzt, kurz und schnell zu regenerieren.

Für sich Selbst sorgen

Dienstag, 5. April 2005

Für sich selbst sorgen

„Eigentlich sollte ich aufhören, weil ich schon total erledigt bin aber es liegt noch soviel herum und irgendwer muss es ja machen.“ Erwischen Sie sich öfter bei „Eigentlich...“, dann haben Sie einen guten Hinweis, dass ihr Leben in zwei verschiedene Richtungen läuft. Diese Grätsche kostet Energie und schafft Ver-Spannungen.

Der ständige Anstieg der Leistungsanforderungen ist ein schleichendes Risiko für immer mehr engagierte und verantwortungsbewusste Mitglieder der Leistungsgesellschaft, das sowohl für den Einzelnen vor sich selbst als auch für die Arbeitgeber bis zum seelischen, körperlichen oder ökonomischen Zusammenbruch unbemerkt bleiben kann.

„Wenn man einen Frosch in ein heißes Wasser schmeißt springt er wieder raus, weil diese Umgebung für ihn lebendbedrohlich ist. Wenn man ihn in ein lauwarmes Wasser setzt und die Temperatur langsam erhöht, platzt er einfach. Er merkt den Anstieg nicht. Es fehlt die deutliche Wahrnehmungsschwelle. So ist es auch mit dem langsamen unmerklichen Anstieg der Mehrbelastung in Verbindung mit persönlicher Vogelstrausspolitik.

Die Temperatur in der Leistungsgesellschaft steigt, daher entstehen neue Anforderungen an die Selbstbehauptung und Selbstkultur. Die Kraft zur Gestaltung der alltäglichen Anforderungn kommt aus dem Kontakt mit dem Inneren, den eigenen Bedürfnissen, Werten und dem Gespür. Das sich nicht mehr Spüren ist, wenn auch alltäglich burn-out Stufe 4 von 12 und ein ernstzunehmendes Risiko.

Von 100 Erwachsenen haben vielleicht 5 eine Entspannungstechnik erlernt.
Es ist aber mit etwas Übung gut möglich sich in sehr kurzer Zeit, sagen wir 5 Minuten wirklich tief zu entspannen und durch die Unterbrechung der Spannungsmuster wieder neue Kräfte zu sammeln.

Wenn wir die Zeit, in der wir keine Zeit haben für die kleine Unterbrechung zum Abkühlen der überhitzten Leistungsaggregate verwenden ist alle Zeit der Welt, um die eigene Gesundheit in die Hand zu nehmen und das Energielevel zu erhöhen oder zumindest zu stabilisieren. Nur der ist ein Mensch, der sich dem süßen Nichts-Tun hingeben kann. Wer nicht 20 min am Tag Zeit hat für das Wesentliche, für die eigene Gesundheit und Integrität, führt kein selbstständiges Leben sondern ist fremdbestimmt und sollte beginnen für sich selbst zu sorgen, denn „Solange ich lebe ist es nicht zu spät sich daran zu beteiligen.“
Kulumne Durchgeblickt in:Welser Rundschau 2005
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